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Linsen-Curry-Schaum |
Für das Süppchen nehme ich immer die gelben Linsen aus dem
Asia-Supermarkt, die muss man nicht so lange wässern wie die braunen,
da reicht schon eine Stunde. 100 bis 125 Gramm braucht man für vier
Personen. Die Linsen schwitzt man nach dem Abtropfen in Pflanzenöl gut
an, zusammen mit einer klein gehackten Zwiebel, Lorbeerblatt und
Korianderstängel, und stäubt etwas Curry drüber, so einen halben
Teelöffel. Am liebsten nehme ich den von Spice Island, der hat so eine
gewisse Note, nicht zu scharf, eher leicht fruchtbetont, das passt zur
Linse perfekt. Und eine schön kräftige Farbe hat dieser Curry außerdem
(es gibt ihn natürlich bei Lindenberg, aber auch in guten
Supermärkten). Der ist etwas teurer, aber man braucht weniger davon und
der Geschmack ist unübertrefflich. Und ich hab’ schon viel ausprobiert.
Currypasten zum Beispiel, die sind oft viel zu scharf und kratzen
richtig im Hals.
So, das Ganze lösche ich mit zwei Teelöffeln
weißem Balsamico ab und gebe auch immer noch eine Kartoffel dazu,
geschält und gewürfelt, für die Bindung. Andere benutzen ja Mehl zum
Andicken, mir ist die Kartoffel lieber, deren Stärke ist ein reines
Naturprodukt. Das schmeckt viel besser – und setzt auch nicht so
schnell an im Topf. Mehl ist ja prädestiniert dazu, anzubrennen.
Jetzt gieße ich mit Gemüsefond auf, 0,3 Liter, und lasse alles etwas
reduzieren, bevor die restliche Flüssigkeit dazukommt: Kokosmilch und
Sahne, jeweils 0,1 Liter. Das gibt der Suppe das leicht Cremige. Das
lässt man jetzt eine knappe halbe Stunde köcheln, nimmt das
Lorbeerblatt und den Koriander raus und mixt es mit dem Zauberstab gut
durch. Zum Abschmecken nehme ich noch mal Curry, Zucker, Salz und
weißen Balsamico – aber nur ganz wenig, den soll man nicht
rausschmecken. Wer den Linsenschaum schön fein haben will, passiert ihn
nach dem Pürieren noch durch ein Sieb.
Jetzt kommt der Clou:
Tatar von Avocado. Wichtig ist dabei, dass die Avocado wirklich reif
ist. So weich, dass sie schon braune Stellen hat, darf sie allerdings
auch nicht sein. Die wird geschält und geviertelt, die Hälfte reicht
für vier Personen, da träufle ich schnell Zitronensaft drüber, dass sie
auch ihre grüne Farbe behält. Die Avocado schneide ich zusammen mit
einer Schalotte in ganz feine kleine Würfel, dazu kommen Olivenöl,
Zitrone und ein ganz kleiner Hauch Knoblauch, vielleicht ein Viertel
von einer Zehe, das gibt dem Ganzen so einen kleinen Kick. Ansonsten
nur Salz und Pfeffer.
Von dem Tatar steche ich jeweils einen
Esslöffel ab und setze ihn in einen großen Suppenteller, wenn darauf
die Linsensuppe kommt, nimmt das kühle Tatar gleich etwas von deren
Wärme an. Wenn man es vorher in einem Topf heiß machen würde, würde es
gleich matschig. Man kann die Avocado in einem Ring ein bisschen
auftürmen, dann guckt sie in der Mitte aus der Suppe raus. Das schmeckt
köstlich.
Holger Zurbrüggen kocht in seinem Restaurant Balthazar am Kurfürstendamm
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 28.05.2007)
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